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Geduldsspiel um Schneekanonen - GZ vom 03.09.2008
GZ vom 03.09.2008 - Bericht von Oliver Stade
Geduldsspiel um Schneekanonen

Nationalpark entscheidet in diesen Tagen über Widerspruch - Klage könnte Vorhaben jahrelang blockieren

HARZ/HANNOVER. In das Tauziehen um den Einsatz von Schneekanonen im Biathlon-Landesleistungszentrum Sonnenberg kommt wieder Bewegung. Selbst ein überraschendes Ende in dem Streit käme für einen Start der Anlagen nächsten Winter zu spät.

Mitte Mai hatten die schriftlichen Begründungen der Umweltverbände NABU und BUND die Nationalparkverwaltung in Wernigerode erreicht. Offenbar eine harte Nuss. Bis heute dauert die Prüfung. Voraussichtlich in dieser, spätestens nächste Woche wird die Stellungnahme von Parkleiter Andreas Pusch an die Naturschützer gehen. Zuvor sollen die Juristen aus dem Umweltministerium in Hannover in einer Schlussprüfung noch einmal über den Schriftsatz schauen.


Regelung rechtswidrig?

Schon jetzt steht fest, dass die lange geplanten Anlagen im nächsten Winter keinen Kunstschnee produzieren. „In diesem Jahr könnten wir vielleicht noch bauvorbereitende Arbeiten in Auftrag geben", sagt Lars Michel, Umweltreferent beim Niedersächsischen Skiverband (NSV), dem Antragsteller. „Ein Betrieb ist auf keinen Fall möglich." Bevor überhaupt ans Bauen für die Anlagen gedacht werden könne, .müsse ohnehin die Ausschreibung erfolgen. Die Prüfung durch den Nationalpark Harz hat länger gedauert als vorgesehen. Wie es heißt, habe das Studium des sehr fundierten Widerspruchs mehr Zeit gekostet. Auf fünf Seiten erläutert eine Rechtsanwaltskanzlei den Widerspruch der Umweltverbände. Die Juristen kommen zu dem Schluss, dass der Befreiungsbescheid des Nationalparks für den Einsatz der Schneekanonen im Schutzgebiet rechtswidrig sei. So heißt es an einer Stelle: „Die Beschneiung erfolgt zum ganz überwiegenden Teil auf Flächen, die durch das Nationalparkgesetz als europäisches Vogelschutz- und FFH-Gebiet ausgewiesen worden sind." Der Klimawandel, die Lärmentwicklung, die Vogelwelt und das Landschaftsbild sind weitere Angriffsflächen für die Argumente der Kunstschneegegner.
Alles andere, als dass Verwaltungschef Pusch den Widerspruch ablehnt, wäre eine faustdicke Überraschung. Der nächste Schritt könnte der Gang vor das Verwaltungsgericht sein. „Bei einer Klage dagegen könnte sich das alles noch länger hinziehen", befürchtet NSV-Referent Michel.

„Kann noch klappen"

Glaubt man dem BUND, ist der weitere Verlauf allerdings offen. Marita Wuttke, Referatsleiterin Naturschutz und Umwelt, sagt: „Wir müssen das erstmal im Vorstand diskutieren." Es werde ganz neu entschieden. Vier Wochen haben die Verbände laut Michel nach Eingang von Puschs Stellungnahme Zeit, um mitzuteilen, ob sie klagen wollen.
Wie auch immer, die Entscheidung ausfällt, die Euphorie beim NSV ist längst verflogen. Auf die Frage, ob er noch an die Schneekanonen auf Sonnenberg glaube, antwortet Michel zurückhaltend: „Wir denken, dass das noch klappen kann."
Immerhin, ein Problem scheint beim NSV aus dem Weg geräumt. Das Fördergeld, zusammen 1,5 Millionen Euro vom Landessportbund und vom Land, verfällt nicht automatisch. „Es muss beantragt werden." Aber wir können es", sagt Michel, „auf das nächste Haushaltsjahr übertragen."




Biathlon-Wettkampf auf Sonnenberg: Noch geht es ohne, im Winter aber ist für die Wettkämpfe im Landesleistungszentrum auf Sonnenberg Schnee erforderlich, notfalls Kunstschnee. Foto: Bertram
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